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Android Privacy: Wie Ihre Handydaten sicher bleiben

Autor(en): JR Raphael

Android-Handys und Privacy beziehungsweise Datenschutz gehen oft nur schwer zusammen.
Lesen Sie, wie Sie die Kontrolle über die Daten auf Ihrem Android Smartphone wiedererlangen.

Android Privacy: So holen Sie sich Schritt für Schritt Ihre Privatsphäre zurück.
Foto: Trismegist san – shutterstock.com

Oberflächlich betrachtet scheinen Android und Privatsphäre nicht zusammen zu passen. Google ist schließlich für sein Werbegeschäft bekannt – das Unternehmen verdient dort den
Löwenanteil seines Geldes – und es fällt schwer, Googles Sammelwut mit dem Konzept
sorgfältig kontrollierter Informationen in Einklang zu bringen.

Tatsächlich erlaubt Google Ihnen jedoch ein gutes Maß an Selbstbestimmung darüber,
wie und wann Ihre Android-assoziierten Informationen angezapft werden (und selbst
im schlimmsten Fall gibt das Unternehmen Ihre Daten niemals an Dritte weiter oder
verkauft sie an Dritte). Sie müssen nur wissen, welche Möglichkeiten es gibt und dann
bestimmen, welches Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und Funktionalität für Sie am sinnvollsten ist.

Die Verantwortung dafür liegt allerdings direkt bei Ihnen. Standardmäßig sind Googles
Datenschutzventile meist bis zum Maximum geöffnet – bis hin zu der Einstellung, die
Ihre Daten so frei wie möglich für angepasste Werbung nutzt. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, ist aber möglicherweise nicht das,
was Sie wünschen, insbesondere bei beruflicher Nutzung. Und die Navigation durch die
verschiedenen Einstellungsebenen, nicht nur bei Google selbst, sondern auch bei den
verschiedenen Diensten von Drittanbietern, die mit Ihrem Smartphone interagieren,
ist häufig etwas kompliziert.

Wir haben für Sie 14 Android-Privacy-Empfehlungen zusammengestellt, angefangen bei
den einfachsten und im Großen und Ganzen ratsamsten Anpassungen bis hin zu Möglichkeiten,
die auch die datenschutzbewusstesten Nutzer zufriedenstellen sollten. Ehe Sie sich versehen, haben Sie einen durchdachten Android-Datenschutzplan,
der Ihre eigenen Präferenzen berücksichtigt. Bitte beachten Sie aber, dass die Pfade
und Bezeichungen in den Systemeinstellungen je nach Android-Version, Gerät und Hersteller unterschiedlich sein können.

Level 1 – Android-Privacy-Empfehlungen für Jedermann

1. Nicht genutzte Apps deinstallieren

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen 0/10

Der erste Schritt zum Schutz der Privatsphäre bei Android ist etwas, das jeder in
regelmäßigen Abständen tun sollte: Die auf den Smartphone installierten Anwendungen
ansehen und alle Apps entfernen, die in den letzten ein oder zwei Monaten nicht benutzt
wurden (sofern ihre Verwendung nicht von der IT-Abteilung vorgeschrieben ist). Unbenutzte
Anwendungen belasten nicht nur die Ressourcen Ihres Geräts: Sie haben auch das Potenzial,
Türen zu sensiblen Informationen offen zu lassen, die besser verschlossen bleiben
sollten.

Wenn Sie eine Anwendung eine Weile nicht benutzt haben, halten Sie das Symbol gedrückt
und wählen Sie “Deinstallieren”. Falls Sie diese Option nicht sehen, wählen Sie “App-Info” und suchen dort die Schaltfläche “Deinstallieren”. Bei älteren Android-Versionen
müssen Sie die App möglicherweise zum oberen Bildschirmrand ziehen, um auf diese Optionen
zugreifen zu können. Sobald sie dann am oberen Bildschirmrand angezeigt werden, ziehen
Sie die App nach oben in diesen Bereich und lassen Sie sie dann los.

Auf Ihrem Android-Handy vorinstallierte Apps können Sie sie nicht immer deinstallieren,
aber oft deaktivieren. Die Option dazu erscheint entweder im selben Menü, in dem Sie
lange drücken müssen, oder im oben erwähnten “App Info”-Bildschirm. Dadurch wird die
App nicht vollständig von Ihrem Gerät entfernt, aber es wird verhindert, dass sie
läuft und aktiv auf Ihre Informationen zugreift.

2. Überprüfen Sie Apps mit Zugriff auf Ihr Google-Konto

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 0/10

Zusätzlich zu den hardwarespezifischen Berechtigungen können Apps und Services auch
Zugriff auf bestimmte Arten von Daten in Ihrem Google-Konto anfordern – beispielsweise
auf Ihre Kontakte, Ihre Google-Mail-Nachrichten oder sogar auf Ihren Google-Drive-Speicher. Ein solcher Zugriff kann vollständig gerechtfertigt und unbedenklich sein (und wurde
auch irgendwann explizit von Ihnen autorisiert), aber sobald Sie die zugehörige App
nicht mehr aktiv nutzen, sollten Sie diese Verbindung besser kappen.

Glücklicherweise ist dies nicht besonders schwer, weswegen man diese Maßnahme zum
Schutz der Privatsphäre regelmäßig durchführen sollte. Öffnen Sie einfach die Seite mit den Zugriffsrechten für Google-Konten und sehen Sie sich alles in der Liste an. Klicken Sie auf den Titel eines Elements,
das Sie nicht mehr verwenden oder nicht mehr vertrauen, und dann auf die blaue Schaltfläche
“Zugriffsrechte entfernen”, die neben dem Element angezeigt wird.

Indem Sie den Zugriff von Drittanbieter-Apps auf Ihr Google-Konto einschränken, können
Sie den Schutz Ihrer Privatsphäre leicht verbessern.

3. Überprüfen Sie Ihre Berechtigungen für Android-Anwendungen

Benötigte Zeit: 5 Minuten

Komforteinbußen: 0/10

Auch Apps, die Sie noch nutzen, haben vielleicht Berechtigungen, die Sie einmal erteilt haben, aber nicht mehr benötigen. Um dies zu überprüfen,
öffnen Sie in den Systemeinstellungen den Menüpunkt “Apps & Benachrichtigungen” (oft
auch nur “Apps” genannt), tippen auf “Erweitert” und dann auf “Berechtigungsmanager”.
Dann tippen Sie nacheinander auf jede Berechtigungsart in der Liste, sehen Sie sich
die Anwendungen an, die darauf zugreifen können, und überlegen sich, ob Sie den Zugriff
der einzelnen Anwendungen noch für notwendig halten.

Wenn Sie etwas sehen, das Ihnen fragwürdig erscheint, tippen Sie auf den Namen der
Anwendung und ändern Sie dann ihre Einstellung in “Verweigern”. Es besteht die Möglichkeit,
dass die App im Anschluss eine ihrer Funktionen nicht mehr ausführen kann. Im schlimmsten
Fall werden Sie aber aufgefordert, die Berechtigung zu einem späteren Zeitpunkt wieder
zu aktivieren, und Sie können das dann erneut prüfen.

Ein wichtiger Hinweis hierzu: Bei Android 10 sollten Sie besonders auf den Berechtigungs-Abschnitt “Standort” achten. Ab dieser
Version können Sie die Berechtigungen nuancierter verteilen und einer App etwa den
Zugriff auf Ihren Standort die ganze Zeit oder nur dann erlauben, wenn die App aktiv
genutzt wird. Das gibt Ihnen mehr Flexibilität als der traditionelle Alles-oder-nichts-Ansatz.
Ein Problem sind allerdings Apps, denen bereits eine ständige Standortberechtigung
erteilt wurde, bevor Android 10 auf Ihrem Smartphone installiert wurde – hier müssen
Sie nachträglich aktiv werden.

Ab Android 10 können Sie granularer festlegen, wann und wie eine App auf Ihren Standort
zugreifen kann.

4. Mehr Privatsphäre auf dem Sperrbildschirm

Benötigte Zeit: 1 Minute

Komforteinbußen: 1/10

Standardmäßig ist Android in der Regel so eingestellt, dass alle Ihre Benachrichtigungsinhalte
auf dem Sperrbildschirm angezeigt werden. Konkret bedeutet das, dass eine Person,
die Ihr Smartphone in die Hände bekommt, möglicherweise vertrauliche Informationen
sehen kann, ohne überhaupt eine PIN, ein Muster oder einen Passcode eingeben zu müssen.

Sie ändern dies, indem Sie den Abschnitt “Sicherheit” in den Einstellungen Ihres Telefons
öffnen, “Bildschirm sperren” wählen und dann die Einstellung entweder auf “Sensible
Inhalte nur anzeigen, wenn sie entsperrt sind” oder “Benachrichtigungen überhaupt
nicht anzeigen” ändern, je nach Ihrem Komfort-Level. (Auf einem Samsung-Smartphone öffnen Sie stattdessen den eigenständigen Abschnitt “Bildschirm sperren” in den Systemeinstellungen
und tippen dann auf “Benachrichtigungen”, um einen ähnlichen Satz von Optionen zu
finden).

5. Opt-out-Funktion bei Samsung’s Datenfreigabe nutzen

Benötigte Zeit: 5 Minuten

Komforteinbußen: 1/10

Nutzer von Samsung-Smartphones aufgemerkt: Das Unternehmen nutzt wahrscheinlich Ihre
Daten – und zwar nicht nur intern und privat, sondern verkauft sie direkt an Dritte
(ohne dies auch nur im Entferntesten mitzuteilen). Wie Anfang des Jahres bekannt wurde, verfügen die Galaxy-Smartphones von Samsung über ein beunruhigend kompliziertes
System zur Erfassung verschiedener Arten von Daten ihrer Nutzer – mit dem Ziel, durch
den Verkauf dieser Daten an andere Unternehmen zusätzliche Einnahmen zu generieren.
Und das ist eindeutig nicht in Ihrem Interesse.

Entscheiden Sie sich also zumindest überall dort, wo es möglich ist, gegen dieses
schändliche Unterfangen – insbesondere in den Einstellungen der Kalender-App (“Customization
Service”), des Internet-Browsers sowie der Kontakte-App von Samsung. Und wenn Sie
wirklich proaktiv Ihre Privatsphäre schützen wollen, dann entfernen Sie die Standard-Apps
von Samsung einfach. Es gibt andere Android-Apps für dieselben Zwecke mit einer häufig
besseren User Experience. Zudem ist es so meist leichter – jetzt und in der Zukunft, Ihre Daten zu synchronisieren
oder auf Nicht-Samsung-Geräte zu übertragen.

Level 2 – Android-Datenschutz für Fortgeschrittene

6. Personalisierte Werbung bei Google abschalten

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 2/10

Google verdient sein Geld durch das Schalten von Online-Anzeigen – das ist kein Geheimnis.
Hierzu werden Daten über Sie verwendet, um Anzeigen auszuwählen, die theoretisch auf
Ihre Interessen zugeschnitten sind und die mit größerer Wahrscheinlichkeit für Sie
relevant sind. Wie oben erwähnt, gibt Google dabei Ihre Daten niemals an Werbekunden
weiter, das gesamte Matching ist vollständig automatisiert und maschinengesteuert und findet innerhalb von Google
statt.

Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Daten für diesen Zweck verwendet werden, können
Sie das Personalisierungssystem abschalten. Dazu gehen Sie einfach zurück in den Google-Abschnitt
Ihrer Systemeinstellungen, tippen Sie auf die Schaltfläche “Google-Konto verwalten”
und dann auf die Registerkarte “Daten & Personalisierung”. Scrollen Sie nach unten
zum Feld Personalisierte Werbung und tippen Sie auf den Link “Gehe zu Einstellungen
für Werbung”. Schieben Sie dann den Schalter auf dem angezeigten Bildschirm nach links
und bestätigen Sie, dass Sie die Änderung vornehmen möchten.

Falls gewünscht, gibt Ihnen Google die Möglichkeit, personalisierte Werbung komplett
abzuschalten.

Es gibt nur noch eine Sache zu überprüfen: Sehen Sie das Profilbild in der rechten
oberen Ecke des Bildschirms? Tippen Sie darauf und sehen Sie, welche anderen Konten
Sie mit Ihrem Gerät verbunden haben. Jedes Google-Konto hat seine eigenen Einstellungen, so dass Sie diese nacheinander durchgehen müssen,
um sicherzustellen, dass die Option zur Anzeigenpersonalisierung überall deaktiviert
ist.

7. Einen VPN-Dienst nutzen

Benötigte Zeit: 5 Minuten

Komforteinbußen: 2/10

Wenn Sie ein Firmen-Handy verwenden, stehen die Chance hoch, dass Ihr Arbeitgeber
Ihnen bereits ein Firmen-VPN (virtuelles privates Netzwerk) zur Verfügung gestellt hat. Falls nicht, lohnt es
sich wahrscheinlich für Sie, selbst eines einzurichten. Vereinfacht ausgedrückt sorgt
ein VPN dafür, dass alle Daten, die Sie auf Ihrem Smartphone versenden und empfangen,
verschlüsselt übertragen werden. Ohne es könnte jemand in Ihrer Verbindung herumschnüffeln
und sensible Informationen ohne Ihr Wissen abfangen – diese Gefahr besteht insbesondere
in öffentlichen WLAN-Hotspots.

Anbieter von VPN-Diensten gibt es jede Menge, zwei gut bewertete, seriöse Anbieter sind etwa NordVPN und TunnelBear.
NordVPN kostet bei monatlicher Abrechnung 10,30 Euro pro Monat, es gibt aber auch
Jahrespakete mit bis zu 70 Prozent Ermäßigung. Die Preise für TunnelBear sind mit 10 Dollar pro
Monat bei monatlicher Abrechnung oder 5 beziehungsweise 3,33 Dollar pro Monat bei
einer Zahlung für ein Jahr respektive drei Jahre ähnlich.

Die Nutzung beider Dienste erfordert nach der Einrichtung nur einen minimalen Aufwand
und sollte auch an Ihrer Arbeitsweise nicht viel ändern, aber sie erfordern eine fortlaufende
Zahlung – daher die Bewertung des Aufwands.

8. Besonders sensible Dateien zusätzlich verschlüsseln

Benötigte Zeit: 3 Minuten

Komforteinbußen: 3/10

Mit Tools wie dem Solid Explorer geben Sie vertraulichen Dateien auf Ihrem Smartphone eine zusätzliche Verschlüsselungsebene.
Die Dateimanager-App kostet nach einer zweiwöchigen Testphase 2,99 Euro und ermöglicht
es Ihnen, jede Datei zu verschlüsseln, so dass auf sie nur nach Eingabe Ihres persönlichen
Kennworts oder einer biometrischen Authentifizierung zugegriffen werden kann. Das bedeutet natürlich, dass Sie die Datei jedes Mal entsperren
müssen, wenn Sie sie ansehen oder freigeben möchten – je nachdem, welche Art von Material
Sie auf Ihrem Gerät haben, könnte sich der Aufwand für das Plus an Sicherheit aber
lohnen.

Solid Explorer ermöglicht es Ihnen, besonders sensible Dateien mit einer zusätzlichen
Verschlüsselungsebene zu versehen.

9. Browser-Einstellungen überdenken

Benötigte Zeit: 4 Minuten

Unannehmlichkeitsgrad: 4/10

Googles Chrome Android-Browser verfügt über alle möglichen beeindruckenden Funktionen, allerdings muss man für viele
davon Kompromisse beim Datenschutz eingehen, damit diese funktionieren. So können Sie beispielsweise superschnell jede
Seite, die Sie mit irgendeinem ihrer Geräte besucht haben, wiederfinden – aber damit
dies möglich ist, muss Google eine geräteübergreifende Aufzeichnung jeder von Ihnen
besuchten Website führen.

Nur Sie können entscheiden, ob Sie wegen solcher Annehmlichkeiten auf einen Teil Ihrer
Privatsphäre verzichten. Wenn Sie jedoch das Surfen im Web so privat wie möglich gestalten
wollen, ist die neue Android-App von Mozilla Firefox eine gute Alternative. Die App verfügt über einen Schalter, mit dem Sie Ihren gesamten Browser-Verlauf
jedes Mal zum Ende einer Sitzung automatisch löschen können. Außerdem bietet sie eine
Vielzahl von Funktionen für einen erweiterten Tracking-Schutz, mit denen sich Skripts,
Cookies und andere Formen des Trackings im Web blockieren lassen.

Die Android-App von Firefox bietet eine Vielzahl von Optionen, um Tracking-Systeme
zu blockieren und den Datenschutz beim mobilen Surfen zu erhöhen.

Wenn Sie lieber bei Chrome bleiben möchten, gibt es einige Dinge, die Sie tun können, um den Datenschutz zu
erhöhen. Beginnen Sie in den Einstellungen der App im Abschnitt “Sync und Google-Dienste”.
Hier können Sie die Art und Weise, wie verschiedene Informationen aus Ihren Browsing-Aktivitäten
mit Google geteilt werden, einschränken oder diese Funktion sogar ganz deaktivieren.
Sie müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass Sie mit zunehmender Deaktivierung
immer mehr an Komfort verlieren – insbesondere, wenn Sie die gleichen Einstellungen
auf Ihrem Smartphone und Computer nutzen.

Zum besseren Schutz Ihrer Privatsphäre können Sie eine Menge an Chrome-Features deaktivieren
– allerdings auf Kosten von Komfort und geräteübergreifender Konsistenz.

Weitere Bereiche, die Sie sich ansehen sollten, sind:

der Abschnitt zu den Zahlungsmethoden – hier können Sie der App mitteilen, dass keine
Ihrer Zahlungsinformationen gespeichert werden sollen;

der Abschnitt zum Datenschutz – hier können Sie verhindern, dass Websites sehen, ob
Sie Zahlungsinformationen gespeichert haben, und außerdem das Vorladen von Seiten
in Chrome zum schnelleren Browsen deaktivieren;

der Abschnitt zu den Website-Einstellungen – hier können Sie verhindern, dass besuchte
Websites Cookies erstellen oder mit vorhandenen Cookies interagieren; sowie

der Abschnitt zum Lite-Modus – hier lässt sich gegebenenfalls die Android-spezifische
Datensparfunktion deaktivieren, bei der Ihr Browser-Verkehr über Google-Server geleitet
wird, um Seiten zu komprimieren und effizienter laden zu können.

10. Deaktivieren Sie den Standortverlauf in Android

Benötigte Zeit: 3 Minuten

Komforteinbußen: 4/10

Standardmäßig behält Google den Überblick über alle Orte, an denen Sie mit Ihrem Android-Handy
im Schlepptau unterwegs sind. Dadurch kann die Software Ihnen proaktiv Verkehrs- und
Pendlerwarnungen für Orte geben, die Sie häufig besuchen, und Google Assistant kann
auf der Grundlage Ihres Verhaltens bessere Vorschläge unterbreiten. Die Kehrseite
der Medaille: Google erhält damit natürlich auch ziemlich viele Daten über Ihren täglichen Aufenthaltsort.

Wenn Sie die Standortverfolgung auf Systemebene ausschalten möchten, öffnen Sie den
Google-Abschnitt Ihrer Systemeinstellungen und tippen Sie auf die Schaltfläche “Ihr
Google-Konto verwalten” am oberen Bildschirmrand. Tippen Sie anschließend auf die
Registerkarte “Datenschutz & Personalisierung” und wählen Sie “Standortverlauf” im
Feld Aktivitätseinstellungen.

Ziehen Sie den Schieber auf dem nächsten Bildschirm nach Links – und das war’s: Ihr
Smartphone wird Ihre Bewegungen nicht mehr verfolgen.

Wenn Sie den Schalter für den Standortverlauf deaktivieren, kann Google Ihren Standort
auf Systemebene nicht mehr verfolgen.

Auch hier werden die Einstellungen kontenweise gesteuert. Tippen Sie also auf das
Profilbild in der oberen rechten Ecke des Bildschirms und stellen Sie sicher, dass
Sie dieselbe Änderung auch für alle anderen Konten vornehmen, die mit Ihrem Telefon
verbunden sind.

Um zusätzlich gleich die bereits gesammelten Standortdaten auf Systemebene löschen,
öffnen Sie am einfachsten die Karten-App auf Ihrem Smartphone, tippen auf Ihr Profilbild in der oberen rechten Ecke und wählen
Sie auf der nächsten Seite den Menüpunkt “Meine Zeitachse”. Anschließend tippen Sie
auf das Drei-Punkte-Menü-Symbol in der oberen rechten Ecke, wählen den Abschnitt “Einstellungen
und Datenschutz” und anschließend entweder “Gesamten Standortverlauf löschen” (um
alles zu löschen) oder “Standortverlauf automatisch löschen” (um Ihre Informationen
nach drei oder 18 Monaten zu löschen).

Level 3 – Android Privacy für Experten

11. Verzichten Sie Ihrer Privatsphäre zuliebe auf Gmail oder Outlook

Benötigte Zeit: 4 Minuten

Komforteinbußen: 6/10

Wenn Sie es mit dem Datenschutz wirklich ernst meinen, ist ProtonMail der E-Mail-Dienst Ihrer Wahl. ProtonMail wendet bei jeder Nachricht, die Sie versenden,
eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Damit wird sichergestellt, dass niemand anderes
als der beabsichtigte Empfänger diese Mail jemals zu Gesicht bekommt. Es handelt sich
dabei um ein ganz anderes Schutzniveau als das, was Ihnen mit der Verschlüsselung
von Google Mail oder anderen E-Mail-Diensten von Drittanbietern geboten wird.

Der Nachteil ist, dass Sie entweder eine spezielle ProtonMail.com-Adresse mit dem
Dienst verwenden oder Ihre eigene Domain einrichten müssen, um mit den ProtonMail-Servern
zu arbeiten – und jedes Mal, wenn Sie eine E-Mail an jemanden senden, der nicht ein
anderer ProtonMail-Benutzer ist, müssen Sie Ihre Nachricht mit einem Passwort und
einem Hinweis verschlüsseln, den der Empfänger dann zum Öffnen der Nachricht benötigt.
Das ist zwar etwas umständlich, dafür erhalten Sie eine Menge zusätzlicher Privatsphäre.

ProtonMail ist in seiner Basisversion, die eine Adresse, 500 MB Speicherplatz und bis zu 150
Nachrichten pro Tag umfasst, kostenlos. Wenn Sie mehr Speicherplatz oder mehr Nachrichten
pro Tag benötigen oder zusätzliche Funktionen wie E-Mail-Filter, ein automatisches
Antwortsystem und die Unterstützung für benutzerdefinierte Domains wünschen, müssen
Sie ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Der Preis dafür beginnt bei 48 Euro pro
Jahr.

12. Verschlüsseln Sie Ihre Anrufe und Nachrichten

Benötigte Zeit: 4 Minuten

Komforteinbußen: 6/10

Für eine vollständige Verschlüsselung an der Anruf- und Messaging-Front ist Signal der geeignte Dienst. Er fügt jedoch
nur dann eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hinzu, wenn Sie mit anderen Signal-Benutzern
kommunizieren – was seine Nützlichkeit stark einschränkt. Im Gegensatz zu den meisten
anderen Messenger-Diensten können Sie außerdem Textnachrichten nicht von Ihrem Computer aus senden und empfangen.
Die Verwendung von Signal ist aber immerhin kostenlos.

13. Deaktivieren Sie Ihre Google Web- & App-Aktivitäten

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 7/10

Standardmäßig verfolgt Google Ihre Aktivitäten im Web und in seinen Anwendungen, wann
immer Sie mit Ihrem Konto angemeldet sind (also praktisch fast immer, wenn Sie ein
Android-Gerät verwenden). Google verwendet diese Informationen zur Schaltung gezielter Anzeigen,
aber auch zur Personalisierung, etwa für Ergebnisse und Empfehlungen an Orten wie
Suche, Karten und Assistent. Wenn die Funktion nicht aktiviert ist, werden einige
der nützlichsten Befehle des Assistenten nicht funktionieren – weder auf Ihrem Smartphone,
noch auf anderen mit dem Assistenten verbundenen Geräten.

Wollen Sie die Aktivitätenverfolgung dennoch deaktivieren, machen Sie Folgendes: Öffnen Sie einfach den Google-Abschnitt
Ihrer Systemeinstellungen, tippen Sie auf die Schaltfläche “Google-Konto verwalten”
und wählen Sie die Registerkarte “Datenschutz & Personalisierung”. Suchen Sie die
Schaltfläche “Web- & App-Aktivitäten”, tippen Sie darauf, und ziehen Sie dann den
Schieber nach links.

Die bereits gesammelten Daten löschen Sie, indem Sie auf dem gleichen Screen weiter
unten auf den Link “Aktivitäten verwalten” tippen. Hier können Sie wählen, ob Sie
alles löschen möchten, was Google über Sie gespeichert hat, oder ob Sie Ihre Daten manuell in einem rollenden Drei- oder 18-Monats-Zyklus löschen
möchten (“Automatisch löschen”).

In den Einstellungen können Sie nicht nur die Aufzeichnung Ihrer Aktivitäten im Web
deaktivieren, sondern das System auch so einstellen, dass Ihre Daten in einem Drei-
oder 18-Monats-Zyklus gelöscht werden.

14. Deaktivieren Sie das Backup Ihrer Geräte

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 9/10

Zu guter Letzt ist Android auch in der Lage, Ihre Systemdaten zu sichern, um bei Bedarf
einen Großteil Ihrer Systemeinstellungen wiederherzustellen. Das ist eine äußerst
praktische Option – aber es erfordert ausnahmslos, dass einige Ihrer Informationen
auf Google Drive gespeichert werden. Bedenklich ist dabei insbesondere, dass Google
Aufzeichnungen darüber führt, welche Anwendungen Sie installiert haben – plus einer
begrenzten Anzahl von Daten zu den Einstellungen der Anwendungen. Außerdem werden
Ihr Anrufverlauf, Ihre Telefoneinstellungen und in einigen Fällen auch Ihre SMS-Nachrichten zur späteren Verwendung gespeichert.

Deaktivieren Sie die automatischen Backups von Android, wird das Zurücksetzen des Geräts oder der Wechsel auf ein neues Gerät
erheblich schwerer, da im Wesentlichen alles von Ihrer vorherigen Einrichtung verloren
geht (oder manuell verschoben werden muss). Ist Ihnen jedoch der Schutz Ihrer Privatsphäre
wichtiger, können Sie die Funktion ausschalten, indem Sie den Abschnitt “System” in
den Einstellungen Ihres Smartphones öffnen, auf die Option “Backup” tippen und den Schieber neben “Auf Google Drive sichern”
in die Aus-Position bringen. (Bei Samsung-Telefonen befindet sich die Option im Abschnitt
“Konten und Sicherung” der Einstellungen unter “Sichern und Wiederherstellen” und
dann “Meine Daten sichern”).

Wie in jedem dieser Bereiche können nur Sie die hinzugewonnene Privatsphäre gegen den verlorenen Komfort abwägen und herausfinden, welches Arrangement für Sie
am sinnvollsten ist. Aber jetzt wissen Sie zumindest, wo Sie suchen müssen – und können
Ihre eigenen, fundierten Entscheidungen treffen.

 Autor(en): JR RaphaelAndroid-Handys und Privacy beziehungsweise Datenschutz gehen oft nur schwer zusammen.
Lesen Sie, wie Sie die Kontrolle über die Daten auf Ihrem Android Smartphone wiedererlangen.
Android Privacy: So holen Sie sich Schritt für Schritt Ihre Privatsphäre zurück.
Foto: Trismegist san – shutterstock.com

Oberflächlich betrachtet scheinen Android und Privatsphäre nicht zusammen zu passen. Google ist schließlich für sein Werbegeschäft bekannt – das Unternehmen verdient dort den
Löwenanteil seines Geldes – und es fällt schwer, Googles Sammelwut mit dem Konzept
sorgfältig kontrollierter Informationen in Einklang zu bringen.
Tatsächlich erlaubt Google Ihnen jedoch ein gutes Maß an Selbstbestimmung darüber,
wie und wann Ihre Android-assoziierten Informationen angezapft werden (und selbst
im schlimmsten Fall gibt das Unternehmen Ihre Daten niemals an Dritte weiter oder
verkauft sie an Dritte). Sie müssen nur wissen, welche Möglichkeiten es gibt und dann
bestimmen, welches Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und Funktionalität für Sie am sinnvollsten ist.
Die Verantwortung dafür liegt allerdings direkt bei Ihnen. Standardmäßig sind Googles
Datenschutzventile meist bis zum Maximum geöffnet – bis hin zu der Einstellung, die
Ihre Daten so frei wie möglich für angepasste Werbung nutzt. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, ist aber möglicherweise nicht das,
was Sie wünschen, insbesondere bei beruflicher Nutzung. Und die Navigation durch die
verschiedenen Einstellungsebenen, nicht nur bei Google selbst, sondern auch bei den
verschiedenen Diensten von Drittanbietern, die mit Ihrem Smartphone interagieren,
ist häufig etwas kompliziert.
Wir haben für Sie 14 Android-Privacy-Empfehlungen zusammengestellt, angefangen bei
den einfachsten und im Großen und Ganzen ratsamsten Anpassungen bis hin zu Möglichkeiten,
die auch die datenschutzbewusstesten Nutzer zufriedenstellen sollten. Ehe Sie sich versehen, haben Sie einen durchdachten Android-Datenschutzplan,
der Ihre eigenen Präferenzen berücksichtigt. Bitte beachten Sie aber, dass die Pfade
und Bezeichungen in den Systemeinstellungen je nach Android-Version, Gerät und Hersteller unterschiedlich sein können.
Level 1 – Android-Privacy-Empfehlungen für Jedermann
1. Nicht genutzte Apps deinstallieren

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen 0/10

Der erste Schritt zum Schutz der Privatsphäre bei Android ist etwas, das jeder in
regelmäßigen Abständen tun sollte: Die auf den Smartphone installierten Anwendungen
ansehen und alle Apps entfernen, die in den letzten ein oder zwei Monaten nicht benutzt
wurden (sofern ihre Verwendung nicht von der IT-Abteilung vorgeschrieben ist). Unbenutzte
Anwendungen belasten nicht nur die Ressourcen Ihres Geräts: Sie haben auch das Potenzial,
Türen zu sensiblen Informationen offen zu lassen, die besser verschlossen bleiben
sollten.
Wenn Sie eine Anwendung eine Weile nicht benutzt haben, halten Sie das Symbol gedrückt
und wählen Sie “Deinstallieren”. Falls Sie diese Option nicht sehen, wählen Sie “App-Info” und suchen dort die Schaltfläche “Deinstallieren”. Bei älteren Android-Versionen
müssen Sie die App möglicherweise zum oberen Bildschirmrand ziehen, um auf diese Optionen
zugreifen zu können. Sobald sie dann am oberen Bildschirmrand angezeigt werden, ziehen
Sie die App nach oben in diesen Bereich und lassen Sie sie dann los.
Auf Ihrem Android-Handy vorinstallierte Apps können Sie sie nicht immer deinstallieren,
aber oft deaktivieren. Die Option dazu erscheint entweder im selben Menü, in dem Sie
lange drücken müssen, oder im oben erwähnten “App Info”-Bildschirm. Dadurch wird die
App nicht vollständig von Ihrem Gerät entfernt, aber es wird verhindert, dass sie
läuft und aktiv auf Ihre Informationen zugreift.
2. Überprüfen Sie Apps mit Zugriff auf Ihr Google-Konto

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 0/10

Zusätzlich zu den hardwarespezifischen Berechtigungen können Apps und Services auch
Zugriff auf bestimmte Arten von Daten in Ihrem Google-Konto anfordern – beispielsweise
auf Ihre Kontakte, Ihre Google-Mail-Nachrichten oder sogar auf Ihren Google-Drive-Speicher. Ein solcher Zugriff kann vollständig gerechtfertigt und unbedenklich sein (und wurde
auch irgendwann explizit von Ihnen autorisiert), aber sobald Sie die zugehörige App
nicht mehr aktiv nutzen, sollten Sie diese Verbindung besser kappen.
Glücklicherweise ist dies nicht besonders schwer, weswegen man diese Maßnahme zum
Schutz der Privatsphäre regelmäßig durchführen sollte. Öffnen Sie einfach die Seite mit den Zugriffsrechten für Google-Konten und sehen Sie sich alles in der Liste an. Klicken Sie auf den Titel eines Elements,
das Sie nicht mehr verwenden oder nicht mehr vertrauen, und dann auf die blaue Schaltfläche
“Zugriffsrechte entfernen”, die neben dem Element angezeigt wird.

Indem Sie den Zugriff von Drittanbieter-Apps auf Ihr Google-Konto einschränken, können
Sie den Schutz Ihrer Privatsphäre leicht verbessern.

3. Überprüfen Sie Ihre Berechtigungen für Android-Anwendungen
Benötigte Zeit: 5 Minuten
Komforteinbußen: 0/10
Auch Apps, die Sie noch nutzen, haben vielleicht Berechtigungen, die Sie einmal erteilt haben, aber nicht mehr benötigen. Um dies zu überprüfen,
öffnen Sie in den Systemeinstellungen den Menüpunkt “Apps & Benachrichtigungen” (oft
auch nur “Apps” genannt), tippen auf “Erweitert” und dann auf “Berechtigungsmanager”.
Dann tippen Sie nacheinander auf jede Berechtigungsart in der Liste, sehen Sie sich
die Anwendungen an, die darauf zugreifen können, und überlegen sich, ob Sie den Zugriff
der einzelnen Anwendungen noch für notwendig halten.
Wenn Sie etwas sehen, das Ihnen fragwürdig erscheint, tippen Sie auf den Namen der
Anwendung und ändern Sie dann ihre Einstellung in “Verweigern”. Es besteht die Möglichkeit,
dass die App im Anschluss eine ihrer Funktionen nicht mehr ausführen kann. Im schlimmsten
Fall werden Sie aber aufgefordert, die Berechtigung zu einem späteren Zeitpunkt wieder
zu aktivieren, und Sie können das dann erneut prüfen.
Ein wichtiger Hinweis hierzu: Bei Android 10 sollten Sie besonders auf den Berechtigungs-Abschnitt “Standort” achten. Ab dieser
Version können Sie die Berechtigungen nuancierter verteilen und einer App etwa den
Zugriff auf Ihren Standort die ganze Zeit oder nur dann erlauben, wenn die App aktiv
genutzt wird. Das gibt Ihnen mehr Flexibilität als der traditionelle Alles-oder-nichts-Ansatz.
Ein Problem sind allerdings Apps, denen bereits eine ständige Standortberechtigung
erteilt wurde, bevor Android 10 auf Ihrem Smartphone installiert wurde – hier müssen
Sie nachträglich aktiv werden.

Ab Android 10 können Sie granularer festlegen, wann und wie eine App auf Ihren Standort
zugreifen kann.

4. Mehr Privatsphäre auf dem Sperrbildschirm

Benötigte Zeit: 1 Minute

Komforteinbußen: 1/10

Standardmäßig ist Android in der Regel so eingestellt, dass alle Ihre Benachrichtigungsinhalte
auf dem Sperrbildschirm angezeigt werden. Konkret bedeutet das, dass eine Person,
die Ihr Smartphone in die Hände bekommt, möglicherweise vertrauliche Informationen
sehen kann, ohne überhaupt eine PIN, ein Muster oder einen Passcode eingeben zu müssen.
Sie ändern dies, indem Sie den Abschnitt “Sicherheit” in den Einstellungen Ihres Telefons
öffnen, “Bildschirm sperren” wählen und dann die Einstellung entweder auf “Sensible
Inhalte nur anzeigen, wenn sie entsperrt sind” oder “Benachrichtigungen überhaupt
nicht anzeigen” ändern, je nach Ihrem Komfort-Level. (Auf einem Samsung-Smartphone öffnen Sie stattdessen den eigenständigen Abschnitt “Bildschirm sperren” in den Systemeinstellungen
und tippen dann auf “Benachrichtigungen”, um einen ähnlichen Satz von Optionen zu
finden).
5. Opt-out-Funktion bei Samsung’s Datenfreigabe nutzen

Benötigte Zeit: 5 Minuten

Komforteinbußen: 1/10

Nutzer von Samsung-Smartphones aufgemerkt: Das Unternehmen nutzt wahrscheinlich Ihre
Daten – und zwar nicht nur intern und privat, sondern verkauft sie direkt an Dritte
(ohne dies auch nur im Entferntesten mitzuteilen). Wie Anfang des Jahres bekannt wurde, verfügen die Galaxy-Smartphones von Samsung über ein beunruhigend kompliziertes
System zur Erfassung verschiedener Arten von Daten ihrer Nutzer – mit dem Ziel, durch
den Verkauf dieser Daten an andere Unternehmen zusätzliche Einnahmen zu generieren.
Und das ist eindeutig nicht in Ihrem Interesse.
Entscheiden Sie sich also zumindest überall dort, wo es möglich ist, gegen dieses
schändliche Unterfangen – insbesondere in den Einstellungen der Kalender-App (“Customization
Service”), des Internet-Browsers sowie der Kontakte-App von Samsung. Und wenn Sie
wirklich proaktiv Ihre Privatsphäre schützen wollen, dann entfernen Sie die Standard-Apps
von Samsung einfach. Es gibt andere Android-Apps für dieselben Zwecke mit einer häufig
besseren User Experience. Zudem ist es so meist leichter – jetzt und in der Zukunft, Ihre Daten zu synchronisieren
oder auf Nicht-Samsung-Geräte zu übertragen.
Level 2 – Android-Datenschutz für Fortgeschrittene
6. Personalisierte Werbung bei Google abschalten

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 2/10

Google verdient sein Geld durch das Schalten von Online-Anzeigen – das ist kein Geheimnis.
Hierzu werden Daten über Sie verwendet, um Anzeigen auszuwählen, die theoretisch auf
Ihre Interessen zugeschnitten sind und die mit größerer Wahrscheinlichkeit für Sie
relevant sind. Wie oben erwähnt, gibt Google dabei Ihre Daten niemals an Werbekunden
weiter, das gesamte Matching ist vollständig automatisiert und maschinengesteuert und findet innerhalb von Google
statt.
Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Daten für diesen Zweck verwendet werden, können
Sie das Personalisierungssystem abschalten. Dazu gehen Sie einfach zurück in den Google-Abschnitt
Ihrer Systemeinstellungen, tippen Sie auf die Schaltfläche “Google-Konto verwalten”
und dann auf die Registerkarte “Daten & Personalisierung”. Scrollen Sie nach unten
zum Feld Personalisierte Werbung und tippen Sie auf den Link “Gehe zu Einstellungen
für Werbung”. Schieben Sie dann den Schalter auf dem angezeigten Bildschirm nach links
und bestätigen Sie, dass Sie die Änderung vornehmen möchten.

Falls gewünscht, gibt Ihnen Google die Möglichkeit, personalisierte Werbung komplett
abzuschalten.

Es gibt nur noch eine Sache zu überprüfen: Sehen Sie das Profilbild in der rechten
oberen Ecke des Bildschirms? Tippen Sie darauf und sehen Sie, welche anderen Konten
Sie mit Ihrem Gerät verbunden haben. Jedes Google-Konto hat seine eigenen Einstellungen, so dass Sie diese nacheinander durchgehen müssen,
um sicherzustellen, dass die Option zur Anzeigenpersonalisierung überall deaktiviert
ist.
7. Einen VPN-Dienst nutzen

Benötigte Zeit: 5 Minuten

Komforteinbußen: 2/10

Wenn Sie ein Firmen-Handy verwenden, stehen die Chance hoch, dass Ihr Arbeitgeber
Ihnen bereits ein Firmen-VPN (virtuelles privates Netzwerk) zur Verfügung gestellt hat. Falls nicht, lohnt es
sich wahrscheinlich für Sie, selbst eines einzurichten. Vereinfacht ausgedrückt sorgt
ein VPN dafür, dass alle Daten, die Sie auf Ihrem Smartphone versenden und empfangen,
verschlüsselt übertragen werden. Ohne es könnte jemand in Ihrer Verbindung herumschnüffeln
und sensible Informationen ohne Ihr Wissen abfangen – diese Gefahr besteht insbesondere
in öffentlichen WLAN-Hotspots.
Anbieter von VPN-Diensten gibt es jede Menge, zwei gut bewertete, seriöse Anbieter sind etwa NordVPN und TunnelBear.
NordVPN kostet bei monatlicher Abrechnung 10,30 Euro pro Monat, es gibt aber auch
Jahrespakete mit bis zu 70 Prozent Ermäßigung. Die Preise für TunnelBear sind mit 10 Dollar pro
Monat bei monatlicher Abrechnung oder 5 beziehungsweise 3,33 Dollar pro Monat bei
einer Zahlung für ein Jahr respektive drei Jahre ähnlich.
Die Nutzung beider Dienste erfordert nach der Einrichtung nur einen minimalen Aufwand
und sollte auch an Ihrer Arbeitsweise nicht viel ändern, aber sie erfordern eine fortlaufende
Zahlung – daher die Bewertung des Aufwands.
8. Besonders sensible Dateien zusätzlich verschlüsseln

Benötigte Zeit: 3 Minuten

Komforteinbußen: 3/10

Mit Tools wie dem Solid Explorer geben Sie vertraulichen Dateien auf Ihrem Smartphone eine zusätzliche Verschlüsselungsebene.
Die Dateimanager-App kostet nach einer zweiwöchigen Testphase 2,99 Euro und ermöglicht
es Ihnen, jede Datei zu verschlüsseln, so dass auf sie nur nach Eingabe Ihres persönlichen
Kennworts oder einer biometrischen Authentifizierung zugegriffen werden kann. Das bedeutet natürlich, dass Sie die Datei jedes Mal entsperren
müssen, wenn Sie sie ansehen oder freigeben möchten – je nachdem, welche Art von Material
Sie auf Ihrem Gerät haben, könnte sich der Aufwand für das Plus an Sicherheit aber
lohnen.

Solid Explorer ermöglicht es Ihnen, besonders sensible Dateien mit einer zusätzlichen
Verschlüsselungsebene zu versehen.

9. Browser-Einstellungen überdenken

Benötigte Zeit: 4 Minuten

Unannehmlichkeitsgrad: 4/10

Googles Chrome Android-Browser verfügt über alle möglichen beeindruckenden Funktionen, allerdings muss man für viele
davon Kompromisse beim Datenschutz eingehen, damit diese funktionieren. So können Sie beispielsweise superschnell jede
Seite, die Sie mit irgendeinem ihrer Geräte besucht haben, wiederfinden – aber damit
dies möglich ist, muss Google eine geräteübergreifende Aufzeichnung jeder von Ihnen
besuchten Website führen.
Nur Sie können entscheiden, ob Sie wegen solcher Annehmlichkeiten auf einen Teil Ihrer
Privatsphäre verzichten. Wenn Sie jedoch das Surfen im Web so privat wie möglich gestalten
wollen, ist die neue Android-App von Mozilla Firefox eine gute Alternative. Die App verfügt über einen Schalter, mit dem Sie Ihren gesamten Browser-Verlauf
jedes Mal zum Ende einer Sitzung automatisch löschen können. Außerdem bietet sie eine
Vielzahl von Funktionen für einen erweiterten Tracking-Schutz, mit denen sich Skripts,
Cookies und andere Formen des Trackings im Web blockieren lassen.

Die Android-App von Firefox bietet eine Vielzahl von Optionen, um Tracking-Systeme
zu blockieren und den Datenschutz beim mobilen Surfen zu erhöhen.

Wenn Sie lieber bei Chrome bleiben möchten, gibt es einige Dinge, die Sie tun können, um den Datenschutz zu
erhöhen. Beginnen Sie in den Einstellungen der App im Abschnitt “Sync und Google-Dienste”.
Hier können Sie die Art und Weise, wie verschiedene Informationen aus Ihren Browsing-Aktivitäten
mit Google geteilt werden, einschränken oder diese Funktion sogar ganz deaktivieren.
Sie müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass Sie mit zunehmender Deaktivierung
immer mehr an Komfort verlieren – insbesondere, wenn Sie die gleichen Einstellungen
auf Ihrem Smartphone und Computer nutzen.

Zum besseren Schutz Ihrer Privatsphäre können Sie eine Menge an Chrome-Features deaktivieren
– allerdings auf Kosten von Komfort und geräteübergreifender Konsistenz.

Weitere Bereiche, die Sie sich ansehen sollten, sind:

der Abschnitt zu den Zahlungsmethoden – hier können Sie der App mitteilen, dass keine
Ihrer Zahlungsinformationen gespeichert werden sollen;

der Abschnitt zum Datenschutz – hier können Sie verhindern, dass Websites sehen, ob
Sie Zahlungsinformationen gespeichert haben, und außerdem das Vorladen von Seiten
in Chrome zum schnelleren Browsen deaktivieren;

der Abschnitt zu den Website-Einstellungen – hier können Sie verhindern, dass besuchte
Websites Cookies erstellen oder mit vorhandenen Cookies interagieren; sowie

der Abschnitt zum Lite-Modus – hier lässt sich gegebenenfalls die Android-spezifische
Datensparfunktion deaktivieren, bei der Ihr Browser-Verkehr über Google-Server geleitet
wird, um Seiten zu komprimieren und effizienter laden zu können.

10. Deaktivieren Sie den Standortverlauf in Android

Benötigte Zeit: 3 Minuten

Komforteinbußen: 4/10

Standardmäßig behält Google den Überblick über alle Orte, an denen Sie mit Ihrem Android-Handy
im Schlepptau unterwegs sind. Dadurch kann die Software Ihnen proaktiv Verkehrs- und
Pendlerwarnungen für Orte geben, die Sie häufig besuchen, und Google Assistant kann
auf der Grundlage Ihres Verhaltens bessere Vorschläge unterbreiten. Die Kehrseite
der Medaille: Google erhält damit natürlich auch ziemlich viele Daten über Ihren täglichen Aufenthaltsort.
Wenn Sie die Standortverfolgung auf Systemebene ausschalten möchten, öffnen Sie den
Google-Abschnitt Ihrer Systemeinstellungen und tippen Sie auf die Schaltfläche “Ihr
Google-Konto verwalten” am oberen Bildschirmrand. Tippen Sie anschließend auf die
Registerkarte “Datenschutz & Personalisierung” und wählen Sie “Standortverlauf” im
Feld Aktivitätseinstellungen.
Ziehen Sie den Schieber auf dem nächsten Bildschirm nach Links – und das war’s: Ihr
Smartphone wird Ihre Bewegungen nicht mehr verfolgen.

Wenn Sie den Schalter für den Standortverlauf deaktivieren, kann Google Ihren Standort
auf Systemebene nicht mehr verfolgen.

Auch hier werden die Einstellungen kontenweise gesteuert. Tippen Sie also auf das
Profilbild in der oberen rechten Ecke des Bildschirms und stellen Sie sicher, dass
Sie dieselbe Änderung auch für alle anderen Konten vornehmen, die mit Ihrem Telefon
verbunden sind.
Um zusätzlich gleich die bereits gesammelten Standortdaten auf Systemebene löschen,
öffnen Sie am einfachsten die Karten-App auf Ihrem Smartphone, tippen auf Ihr Profilbild in der oberen rechten Ecke und wählen
Sie auf der nächsten Seite den Menüpunkt “Meine Zeitachse”. Anschließend tippen Sie
auf das Drei-Punkte-Menü-Symbol in der oberen rechten Ecke, wählen den Abschnitt “Einstellungen
und Datenschutz” und anschließend entweder “Gesamten Standortverlauf löschen” (um
alles zu löschen) oder “Standortverlauf automatisch löschen” (um Ihre Informationen
nach drei oder 18 Monaten zu löschen).
Level 3 – Android Privacy für Experten
11. Verzichten Sie Ihrer Privatsphäre zuliebe auf Gmail oder Outlook

Benötigte Zeit: 4 Minuten

Komforteinbußen: 6/10

Wenn Sie es mit dem Datenschutz wirklich ernst meinen, ist ProtonMail der E-Mail-Dienst Ihrer Wahl. ProtonMail wendet bei jeder Nachricht, die Sie versenden,
eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Damit wird sichergestellt, dass niemand anderes
als der beabsichtigte Empfänger diese Mail jemals zu Gesicht bekommt. Es handelt sich
dabei um ein ganz anderes Schutzniveau als das, was Ihnen mit der Verschlüsselung
von Google Mail oder anderen E-Mail-Diensten von Drittanbietern geboten wird.
Der Nachteil ist, dass Sie entweder eine spezielle ProtonMail.com-Adresse mit dem
Dienst verwenden oder Ihre eigene Domain einrichten müssen, um mit den ProtonMail-Servern
zu arbeiten – und jedes Mal, wenn Sie eine E-Mail an jemanden senden, der nicht ein
anderer ProtonMail-Benutzer ist, müssen Sie Ihre Nachricht mit einem Passwort und
einem Hinweis verschlüsseln, den der Empfänger dann zum Öffnen der Nachricht benötigt.
Das ist zwar etwas umständlich, dafür erhalten Sie eine Menge zusätzlicher Privatsphäre.
ProtonMail ist in seiner Basisversion, die eine Adresse, 500 MB Speicherplatz und bis zu 150
Nachrichten pro Tag umfasst, kostenlos. Wenn Sie mehr Speicherplatz oder mehr Nachrichten
pro Tag benötigen oder zusätzliche Funktionen wie E-Mail-Filter, ein automatisches
Antwortsystem und die Unterstützung für benutzerdefinierte Domains wünschen, müssen
Sie ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Der Preis dafür beginnt bei 48 Euro pro
Jahr.
12. Verschlüsseln Sie Ihre Anrufe und Nachrichten
Benötigte Zeit: 4 Minuten
Komforteinbußen: 6/10
Für eine vollständige Verschlüsselung an der Anruf- und Messaging-Front ist Signal der geeignte Dienst. Er fügt jedoch
nur dann eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hinzu, wenn Sie mit anderen Signal-Benutzern
kommunizieren – was seine Nützlichkeit stark einschränkt. Im Gegensatz zu den meisten
anderen Messenger-Diensten können Sie außerdem Textnachrichten nicht von Ihrem Computer aus senden und empfangen.
Die Verwendung von Signal ist aber immerhin kostenlos.
13. Deaktivieren Sie Ihre Google Web- & App-Aktivitäten

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 7/10

Standardmäßig verfolgt Google Ihre Aktivitäten im Web und in seinen Anwendungen, wann
immer Sie mit Ihrem Konto angemeldet sind (also praktisch fast immer, wenn Sie ein
Android-Gerät verwenden). Google verwendet diese Informationen zur Schaltung gezielter Anzeigen,
aber auch zur Personalisierung, etwa für Ergebnisse und Empfehlungen an Orten wie
Suche, Karten und Assistent. Wenn die Funktion nicht aktiviert ist, werden einige
der nützlichsten Befehle des Assistenten nicht funktionieren – weder auf Ihrem Smartphone,
noch auf anderen mit dem Assistenten verbundenen Geräten.
Wollen Sie die Aktivitätenverfolgung dennoch deaktivieren, machen Sie Folgendes: Öffnen Sie einfach den Google-Abschnitt
Ihrer Systemeinstellungen, tippen Sie auf die Schaltfläche “Google-Konto verwalten”
und wählen Sie die Registerkarte “Datenschutz & Personalisierung”. Suchen Sie die
Schaltfläche “Web- & App-Aktivitäten”, tippen Sie darauf, und ziehen Sie dann den
Schieber nach links.
Die bereits gesammelten Daten löschen Sie, indem Sie auf dem gleichen Screen weiter
unten auf den Link “Aktivitäten verwalten” tippen. Hier können Sie wählen, ob Sie
alles löschen möchten, was Google über Sie gespeichert hat, oder ob Sie Ihre Daten manuell in einem rollenden Drei- oder 18-Monats-Zyklus löschen
möchten (“Automatisch löschen”).

In den Einstellungen können Sie nicht nur die Aufzeichnung Ihrer Aktivitäten im Web
deaktivieren, sondern das System auch so einstellen, dass Ihre Daten in einem Drei-
oder 18-Monats-Zyklus gelöscht werden.

14. Deaktivieren Sie das Backup Ihrer Geräte

Benötigte Zeit: 2 Minuten

Komforteinbußen: 9/10

Zu guter Letzt ist Android auch in der Lage, Ihre Systemdaten zu sichern, um bei Bedarf
einen Großteil Ihrer Systemeinstellungen wiederherzustellen. Das ist eine äußerst
praktische Option – aber es erfordert ausnahmslos, dass einige Ihrer Informationen
auf Google Drive gespeichert werden. Bedenklich ist dabei insbesondere, dass Google
Aufzeichnungen darüber führt, welche Anwendungen Sie installiert haben – plus einer
begrenzten Anzahl von Daten zu den Einstellungen der Anwendungen. Außerdem werden
Ihr Anrufverlauf, Ihre Telefoneinstellungen und in einigen Fällen auch Ihre SMS-Nachrichten zur späteren Verwendung gespeichert.
Deaktivieren Sie die automatischen Backups von Android, wird das Zurücksetzen des Geräts oder der Wechsel auf ein neues Gerät
erheblich schwerer, da im Wesentlichen alles von Ihrer vorherigen Einrichtung verloren
geht (oder manuell verschoben werden muss). Ist Ihnen jedoch der Schutz Ihrer Privatsphäre
wichtiger, können Sie die Funktion ausschalten, indem Sie den Abschnitt “System” in
den Einstellungen Ihres Smartphones öffnen, auf die Option “Backup” tippen und den Schieber neben “Auf Google Drive sichern”
in die Aus-Position bringen. (Bei Samsung-Telefonen befindet sich die Option im Abschnitt
“Konten und Sicherung” der Einstellungen unter “Sichern und Wiederherstellen” und
dann “Meine Daten sichern”).
Wie in jedem dieser Bereiche können nur Sie die hinzugewonnene Privatsphäre gegen den verlorenen Komfort abwägen und herausfinden, welches Arrangement für Sie
am sinnvollsten ist. Aber jetzt wissen Sie zumindest, wo Sie suchen müssen – und können
Ihre eigenen, fundierten Entscheidungen treffen. 

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