Computerhaus Quickborn TEST

Cloud-Desaster: Die schlimmsten Ausfälle der Cloud-Frühzeit

Autor(en): JR Raphael

Mittlerweile ist die Cloud allgegenwärtig. Doch sie birgt Risiken. Die zehn größten
Cloud-Ausfälle aus der frühen Phase der Cloud sind der Beweis dafür.

Foto: Blackboard – shutterstock.com

Als Konzept birgt die Cloud viele Vorteile. Sie können die eigenen selbst verwalteten
Server links liegen lassen und neuen Speicher in der Cloud mieten. Jemand anderes
kümmert sich um den Server und hält diese am Laufen. Sie können Ihre Daten dorthin
verstauen, wo Sie wollen. Das hat viele Privatanwender und Unternehmen überzeugt,
die Cloud und darauf basierende Dienste sind mittlerweile allgegenwärtig. Insbesondere
der Smartphone- und Tablet-Boom wäre ohne Clouddienste unvorstellbar,Doch Cloud Computing
bringt auch Nachteile mit sich. Wenn Sie sich nicht mehr um die Instandhaltung kümmern
müssen, verlieren Sie gleichzeitig einen Teil der Kontrollmöglichkeiten. Und die Sicherheitsbedenken
sind nicht zu verachten. Aber all dies ist nichts im Vergleich zum schlimmsten möglichen
Szenario: Wenn der Cloud-Service nicht mehr verfügbar ist. Das mussten im November
2017 auch die Nutzer von Homematic IP erleben.

Blick zurück zum Gruseln

Wir führen Ihnen die Risiken, die durch die Abhängigkeit von der Cloud entstehen,
vor Augen, indem wir die größten Cloud-Ausfälle aus der Zeit kurz nach 2010 noch einmal
zusammenfassen. Denn damals war die Cloud noch längst nicht so selbstverständlich
wie heute und trotzdem hatten die Cloud-Ausfälle teilweise schlimme Folgen für die
Betroffenen. Um wie viel schlimmer dürften sich ähnliche Ausfälle also heute auswirken…Die
schlimmen Folgen eines Ausfalls von Cloud-Diensten können Ihnen zum Beispiel die Unternehmen
bestätigen, die vom Ausfall von Amazons Web Service im April 2011 betroffen war: “Wir
waren ganz schön durch den Wind”, sagt Nick Francis, dessen Start-Up-Unternehmen gerade
eine Woche vor Amazons Problem gestartet war. “Wir waren darauf überhaupt nicht vorbereitet.”

Francis war nicht der einzige, der überrascht wurde. Große US-Unternehmen wie Reddit
und Foursquare sind ausgefallen, als Amazons Cloud gestört war.

“Die Cloud wurde als magisches Ding vermarktet, das arbeitet und völlig verlässlich
ist”, sagt Lew Moorman, der Hauptstratege bei Rackspace, einen Cloud-Provider, der
bereits mehrere Ausfälle durchlebt hat. “Die Wahrheit ist, dass das Kaufen von IT-Leistungen
über die Cloud nur einen anderen Weg des Kaufens darstellt. Und IT selbst ist von
sich aus fehlerhaft. Wenn Sie sichergehen wollen, dass diese Fehler Ihnen nicht schaden,
dann müssen Sie im Voraus planen.”

Amazons Web Service (AWS)

Die Befreiung von der lästigen Netzwerk-Instandhaltungsarbeit ist das Hauptverkaufsargument
für die Cloud. Und der Nachteil? Sie können nur tatenlos und hilflos zusehen, wenn
die Änderung der Routine-Konfiguration des Cloud-Betreibers Ihre Daten vernichtet.

Genau das haben viele AWS-Kunden im letzten April 2011 am eigenen Leib erfahren, als
Amazons im US-Bundesstaat Nord Virginia gelegenes Datenzentrum einer Störung zum Opfer
fiel und komplett nutzlos wurde.

Der Fehler begann während einer Netzwerkaktualisierung, als eine falsch eingestellte
Traffic-Schaltung ein Cluster von Amazon EBS (Elastic Block Store) Datenträgern in
einen Wiederspiegelungssturm sandte. Just in dem Augenblick, als nach einer verfügbaren
Box gesucht wurde, in der eine Sicherheitskopie der Daten abgelegt werden sollte,
sind die Daten verloren gegangen.

Das ist zumindest die Kurz-Version. Amazons vollständige Erklärung fällt dagegen sehr lange aus.

Die Probleme bestanden für etwa vier Tage. Aber während viele Unternehmen ins Straucheln
gerieten, überstanden andere Unternehmen wie Netflix diesen Sturm unbeschadet: “Wir
verlassen uns lieber auf SimpleDB, S3 und Cassandra Services, die von dem Ausfall
nicht betroffen waren”, schrieben die Netflix-Entwickler in deren Blog-Eintrag über
Die Lehren, die Netflix aus dem AWS-Ausfall gezogen hat“. Zustandslose Services und mehrere redundante aktuelle Kopien von Daten, die über
mehrere zugängliche Zonen verteilt waren, seien der Schlüssel zum Erfolg gewesen.
Nur so konnte Netflix dem Cloud-Ausfall von AWS entgehen.

Sie denken, dass Ihr Unternehmen so groß wie Netflix sein muss, damit es sicher sein
kann? Dann denken Sie noch einmal nach. Twilio, ein Unternehmen, das Entwicklern dabei
hilft Kommunikationslösungen in deren Web-Anwendungen zu integrieren, nutzte Amazons
EC2, um den Großteil der Infrastruktur zu hosten. Dennoch hatte der Ausfall im April
wenig bis keinen Einfluss auf dessen Stabilität.

“Wenn Sie sich auf eine Cloud einlassen, müssen Sie annehmen, dass das Netzwerk Störungen
haben wird”, sagt Evan Cooke, der Mitbegründer von Twilio. “Wir haben eine Infrastruktur
um die Idee herum gebaut, dass der Hoster versagen kann und irgendwann versagen wird.
Also haben wir uns nicht auf eine einzige Maschine oder eine einzelne Komponente in
der Hauptarchitektur verlassen.”

Screwup und Google Mail

Screwup

Smartphones machen es einfach, auch unterwegs auf Daten zuzugreifen. Doch was tun,
wenn der dafür nötige Cloud-Dienst ausfällt? Wie bei Screwup, einem Partnerunternehmen
von T-Mobile, der im Herbst 2009 versagt hat.

Das zu Microsoft gehörende Partnerunternehmen war etwa eine Woche lang außer Gefecht
gesetzt und ließ die Nutzer ohne Zugriff auf E-Mails, Kalenderinformationen und andere
persönliche Daten. Dann hat Microsoft zugegeben, dass alle in der Cloud gespeicherten
Daten verloren gegangen sind. Und sich nicht wiederherstellen ließen. Offensichtlich
hatten die Leute bei Redmond vergessen Backups zu erstellen.

Es mag sein, dass sich die Technik in der Zwischenzeit verbessert hat, aber die Lehre
daraus bleibt bestehen: Wenn es um wichtige Daten geht, sollten Sie sich niemals auf
andere verlassen. Nehmen Sie nicht an, dass jemand anderes diese für Sie automatisch
beschützt.

Google Mail

Von allen Cloud-Services dürfte Google Mail der bekannteste sein. Ersetzen Sie Ihre
wartungsaufwändigen Exchange-Server durch einen günstigen, verlässlichen E-Mail-Service,
der von Postini gesichert wird. Was gibt es daran nicht zu mögen?

Die Antwort: Bei einem Ausfall 2011 waren 150.000 Google Mail-Kunden betroffen. Als
diese sich bei ihrem Benutzerkonto angemeldet haben, haben sie nur leere Seiten vorgefunden.
Keine E-Mails, Ordner, nichts persönliches war mehr vorhanden. Wir müssen zu Gunsten
von Google erwähnen, dass sie regelmäßige Aktualisierungen geliefert haben und versprochen
hatten das Problem schnell zu lösen. Aber die Reparaturen dauerten bei manchen betroffenen
Nutzern bis zu vier Tage lang.

“Wie konnte das passieren, wir hatten doch mehrere Kopien von Ihren Daten, in unterschiedlichen
Datenzentren gespeichert?” Das hat sich Googles Vize-Präsident für Engineering Ben
Treynor in einem Blog zu der Zeit gefragt. “Unter manchen seltenen Umständen können
Softwarefehler mehrere Kopien der Daten betreffen. Genau dies ist in dem Fall geschehen.”

Letztendlich musste Google physikalische Sicherungen verwenden, um die Daten wiederherzustellen.
Zu guter Letzt hat das mehrstufige Datensicherungssystem funktioniert, aber dennoch
waren tausende von Nutzern tagelang ohne ihre E-Mails.

Denken Sie also jetzt an Sicherheitskopien und Offline-Zugriffsmöglichkeiten . Denn
wenn Sie diese brauchen könnte es bereits zu spät sein.

“Wenn Sie den Durchschnitt betrachten, dann ist es wahrscheinlicher, dass die Daten
in der Cloud wiederherstellt werden, als wenn der Vorfall bei einer Einzelperson passiert
wäre”, sagt Ken Godskind von AlertSite. “Es ist nur so, das Fehlschläge im Web wesentlich
größere Auswirkungen haben. Es sind automatisch wesentlich mehr Menschen betroffen.”

Hotmail, Intuit und Microsoft BPOS

Hotmail

Auch Microsoft hat nicht immer die beste Werbung für die Cloud gemacht. Das mussten
die Benutzer vonMicrosofts Hotmail-Service erfahren. Zehntausende von Kunden hatten
Ende 2010 nur noch leere Posteingänge aufgrund von Datenbanken-Fehlern.

Der Fehler kam laut Microsoft von einem Script, das eigentlich Test-Benutzerkonten,
die für automatische Tests erstellt wurden, löschen sollte. Das Skript hat jedoch
fälschlicherweise stattdessen 17.000 echte Benutzerkonten getroffen.

Es dauerte drei Tage, bis Microsoft seinen Dienst für die meisten der Betroffenen
Nutzer wiederherstellen konnte. Es gab jedoch immer noch acht Prozent von Betroffenen,
die weitere drei Tage warten mussten, bis deren Daten wieder zugänglich waren.

Intuit

Bei Inuit kam es aufgrund eines unfertigen Patches gleich zwei Mal innerhalb eines
Monats zum Ausfall der Cloud-Services. Davon waren bekannte Plattformen wie TurboTax,
Quicken und QuickBooks betroffen. Der schlimmste Vorfall war ein 36-stündiger Ausfall
im Juni. Ein Stromausfall führte dazu, dass alles drunter und drüber ging. Das primäre
System des Unternehmens fiel aus und auch die Backup-Systeme waren vollständig vom
Netz getrennt. Ein paar Wochen später traf ein weiterer Stromausfall Intuit.”Die Wahrheit
ist, dass es bessere Lösungen gibt als eine einzelne Cloud, wenn Sie absolute Verlässlichkeit
benötigen”, sagt Chris Whitener, der Chef-Stratege des Secure Advantage Programms
bei HP. “Es ist nicht notwendig, dass Sie von allem Kopien besitzen, aber von den
wichtigen Dateien sollten Sie Sicherungen anfertigen. Dies kann Ihnen viel Ärger ersparen.”

Microsoft BPOS

Es ist schwierig produktiv zu sein, wenn Ihr Cloud-basiertes Office-Paket nicht erreichbar
ist. Genau das ist vor ein paar Wochen Unternehmen passiert, die sich auf Microsofts
Business-Cloud-Service verlassen haben: Der Service, der Microsoft Business Productivity
Online Standard (BPOS) Suite genannt wurde, geriet um den 10. Mai 2011 ins stottern.
Als Folge dessen kamen E-Mails bei den zahlenden Kunden mit bis zu neun Stunden Verspätung
an.

Zwei Tage später, gerade als es so aussah, als hätte sich BPOS wieder gefangen, kam
es erneut zu Verzögerungen. Desweiteren waren nun auch die von Kunden versandten E-Mails
von dem Problem betroffen. Als wenn das nicht genug wäre, kam noch ein separates Problem
hinzu, das verhinderte, dass sich die Nutzer in das webbasierte Outlook einloggen
konnten.

“Ich möchte mich bei Ihnen, unseren Kunden und Partnern, für die Unannehmlichkeiten,
die diese Probleme bereitet haben, entschuldigen”, hat Dave Thompson, der Vize-Präsident
bei Microsoft Online Services in einem Blog geschrieben.

Salesforce und Terremark

Salesforce

Das Datenzentrum von Salesforce.com war im Januar 2011 nicht erreichbar. Das Jahr
war gerade vier Tage jung, als Salesforce.com vom Versagen auf ganzer Linie berichtete.
Die Services und Backups waren hinüber. “In Wirklichkeit gehen auch Cloud-basierte
Datenzentren kaputt”, sagt Tin Crawford, der Leiter der Technologieabteilung bei All
Covered, einer Abteilung von Konica Minolta. “Das war schon immer der Fall und das
wird auch immer der Fall bleiben. Wir müssen das Ganze realistisch betrachten”

Crawford sagt, dass erfolgreiche Cloud-IT eine andere Herangehensweise benötigt als
eine traditionellen Server-Archtitektur: Es liegt an Ihnen, meint er, zu entscheiden,
ob Ihre Unternehmens eine kurzzeitige Nicht-Erreichbarkeit der Daten verkraftet. Falls
dies nicht der Fall sein sollte, sollten Sie sicherstellen, dass Ihre Konfiguration
so gewählt wurde, dass dieser Fall nicht eintritt.

“Sie sollten prüfen, ob der Cloud-Provider in der Lage ist eine höhere Redundanz zu
bieten, als Sie und Ihr Unternehmen allein dazu in der Lage wären”, sagt Crawford.
“Wenn die Antwort nein lautet, warum nutzen Sie dieses Unternehmen dann?”

Terremark

Das Glück wandte sich von Terremark am 17. März 2010 ab. Der Cloud-Dienst namens vCloud
Express stürzte an diesem Tag ab, zusammen mit einem in Miami ansässigen Datenzentrum.
Beide waren für etwa sieben Stunden nicht erreichbar. Die Nutzer konnten die ganze
Zeit über nicht auf die dort gespeicherten Daten zugreifen.

Auch hier wird die Notwendigkeit von Redundanz deutlich. Wenn Sie Ihre wichtigen Daten
auf mehreren Servern in unterschiedlichen Datenzentren, oder noch besser in unterschiedlichen
Regionen, gespeichert haben, sind Sie gut beraten worden. Sie können sogar noch eine
weitere Sicherheitsvorkehrung treffen und die Daten bei mehreren Anbietern sichern.

“Sie können eine Vielzahl von Providern aussuchen, um Ihre Arbeit zu sichern. Einen
oder zwei als Sicherung und einen als Primär-Anbieter”, schlägt Harold Moss, der Leiter
der Technologieabteilung des IBMs Cloud Security Strategy Programms. “Sie können dann
Ihre Arbeit bei den Unternehmen sichern und sich auf andere Dinge konzentrieren.”

PayPal und Rackspace

PayPal

Sie wollen ein Beispiel für einen Ausfall mit wirklich weitreichenden Folgen? Dann
probieren Sie doch PayPal für ein paar Stunden offline aus.

Das ist keine hypothetische Übung: PayPal ist wirklich im Sommer 2009 ausgefallen
und hat Millionen von Händlern in der ganzen Welt im Stich gelassen. Sie hatten keine
Möglichkeit, Waren zu verkaufen. Der Service war für etwa eine Stunde überhaupt nicht
zugänglich und blieb für mehrere Stunden fehleranfällig. PayPal behauptet, dass dies
an der Hardware gelegen habe.

Rackspace

Rackspace erlitt im Mal 2009 vier gravierende Ausfälle. Deshalb waren die Webseiten
der Kunden insgesamt mehrere Stunden lang nicht erreichbar. Einer der Ausfälle war
so schlimm, dass Rackspace etwa 2 Millionen Euro Schadensersatz an seine Kunden zahlen
musste.

Rackspace hat die Ausfälle als “schmerzhaft und sehr enttäuschend” beschrieben und
hat anschließend versprochen “für lange Zeit auf einem hohen Niveau zu arbeiten”.
“Wenn Sie geografische Redundanz haben wollen, ist es heutzutage einfacher, als es
früher der Fall war. Aber dennoch müssen Sie die notwendigen Schritte dafür einleiten”,
sagt Lew Moorman von Rackspace. “Die Cloud hat keine Schwächen, die nicht schon zuvor
bei den unternehmenseigenen Servern vorhanden waren.”

Wenn Sie all dies berücksichtigen, dann ist die wohlmöglich größte Lektion, die Sie
hier gelernt haben können, dass ein einziger Service, Datenzentrum oder Server, keine
100 Prozentige Verlässlichkeit bieten kann. Auch wenn Sie Ihre Daten in der Cloud
speichern, sollten Sie auf dem Boden der Tatsachen bleiben und immer an einen Ausfall
denken. (PC-Welt)

 Autor(en): JR RaphaelMittlerweile ist die Cloud allgegenwärtig. Doch sie birgt Risiken. Die zehn größten
Cloud-Ausfälle aus der frühen Phase der Cloud sind der Beweis dafür.

Foto: Blackboard – shutterstock.com

Als Konzept birgt die Cloud viele Vorteile. Sie können die eigenen selbst verwalteten
Server links liegen lassen und neuen Speicher in der Cloud mieten. Jemand anderes
kümmert sich um den Server und hält diese am Laufen. Sie können Ihre Daten dorthin
verstauen, wo Sie wollen. Das hat viele Privatanwender und Unternehmen überzeugt,
die Cloud und darauf basierende Dienste sind mittlerweile allgegenwärtig. Insbesondere
der Smartphone- und Tablet-Boom wäre ohne Clouddienste unvorstellbar,Doch Cloud Computing
bringt auch Nachteile mit sich. Wenn Sie sich nicht mehr um die Instandhaltung kümmern
müssen, verlieren Sie gleichzeitig einen Teil der Kontrollmöglichkeiten. Und die Sicherheitsbedenken
sind nicht zu verachten. Aber all dies ist nichts im Vergleich zum schlimmsten möglichen
Szenario: Wenn der Cloud-Service nicht mehr verfügbar ist. Das mussten im November
2017 auch die Nutzer von Homematic IP erleben.
Blick zurück zum Gruseln
Wir führen Ihnen die Risiken, die durch die Abhängigkeit von der Cloud entstehen,
vor Augen, indem wir die größten Cloud-Ausfälle aus der Zeit kurz nach 2010 noch einmal
zusammenfassen. Denn damals war die Cloud noch längst nicht so selbstverständlich
wie heute und trotzdem hatten die Cloud-Ausfälle teilweise schlimme Folgen für die
Betroffenen. Um wie viel schlimmer dürften sich ähnliche Ausfälle also heute auswirken…Die
schlimmen Folgen eines Ausfalls von Cloud-Diensten können Ihnen zum Beispiel die Unternehmen
bestätigen, die vom Ausfall von Amazons Web Service im April 2011 betroffen war: “Wir
waren ganz schön durch den Wind”, sagt Nick Francis, dessen Start-Up-Unternehmen gerade
eine Woche vor Amazons Problem gestartet war. “Wir waren darauf überhaupt nicht vorbereitet.”
Francis war nicht der einzige, der überrascht wurde. Große US-Unternehmen wie Reddit
und Foursquare sind ausgefallen, als Amazons Cloud gestört war.
“Die Cloud wurde als magisches Ding vermarktet, das arbeitet und völlig verlässlich
ist”, sagt Lew Moorman, der Hauptstratege bei Rackspace, einen Cloud-Provider, der
bereits mehrere Ausfälle durchlebt hat. “Die Wahrheit ist, dass das Kaufen von IT-Leistungen
über die Cloud nur einen anderen Weg des Kaufens darstellt. Und IT selbst ist von
sich aus fehlerhaft. Wenn Sie sichergehen wollen, dass diese Fehler Ihnen nicht schaden,
dann müssen Sie im Voraus planen.”
Amazons Web Service (AWS)
Die Befreiung von der lästigen Netzwerk-Instandhaltungsarbeit ist das Hauptverkaufsargument
für die Cloud. Und der Nachteil? Sie können nur tatenlos und hilflos zusehen, wenn
die Änderung der Routine-Konfiguration des Cloud-Betreibers Ihre Daten vernichtet.
Genau das haben viele AWS-Kunden im letzten April 2011 am eigenen Leib erfahren, als
Amazons im US-Bundesstaat Nord Virginia gelegenes Datenzentrum einer Störung zum Opfer
fiel und komplett nutzlos wurde.
Der Fehler begann während einer Netzwerkaktualisierung, als eine falsch eingestellte
Traffic-Schaltung ein Cluster von Amazon EBS (Elastic Block Store) Datenträgern in
einen Wiederspiegelungssturm sandte. Just in dem Augenblick, als nach einer verfügbaren
Box gesucht wurde, in der eine Sicherheitskopie der Daten abgelegt werden sollte,
sind die Daten verloren gegangen.
Das ist zumindest die Kurz-Version. Amazons vollständige Erklärung fällt dagegen sehr lange aus.
Die Probleme bestanden für etwa vier Tage. Aber während viele Unternehmen ins Straucheln
gerieten, überstanden andere Unternehmen wie Netflix diesen Sturm unbeschadet: “Wir
verlassen uns lieber auf SimpleDB, S3 und Cassandra Services, die von dem Ausfall
nicht betroffen waren”, schrieben die Netflix-Entwickler in deren Blog-Eintrag über
“Die Lehren, die Netflix aus dem AWS-Ausfall gezogen hat”. Zustandslose Services und mehrere redundante aktuelle Kopien von Daten, die über
mehrere zugängliche Zonen verteilt waren, seien der Schlüssel zum Erfolg gewesen.
Nur so konnte Netflix dem Cloud-Ausfall von AWS entgehen.
Sie denken, dass Ihr Unternehmen so groß wie Netflix sein muss, damit es sicher sein
kann? Dann denken Sie noch einmal nach. Twilio, ein Unternehmen, das Entwicklern dabei
hilft Kommunikationslösungen in deren Web-Anwendungen zu integrieren, nutzte Amazons
EC2, um den Großteil der Infrastruktur zu hosten. Dennoch hatte der Ausfall im April
wenig bis keinen Einfluss auf dessen Stabilität.
“Wenn Sie sich auf eine Cloud einlassen, müssen Sie annehmen, dass das Netzwerk Störungen
haben wird”, sagt Evan Cooke, der Mitbegründer von Twilio. “Wir haben eine Infrastruktur
um die Idee herum gebaut, dass der Hoster versagen kann und irgendwann versagen wird.
Also haben wir uns nicht auf eine einzige Maschine oder eine einzelne Komponente in
der Hauptarchitektur verlassen.”
Screwup und Google Mail
Screwup
Smartphones machen es einfach, auch unterwegs auf Daten zuzugreifen. Doch was tun,
wenn der dafür nötige Cloud-Dienst ausfällt? Wie bei Screwup, einem Partnerunternehmen
von T-Mobile, der im Herbst 2009 versagt hat.
Das zu Microsoft gehörende Partnerunternehmen war etwa eine Woche lang außer Gefecht
gesetzt und ließ die Nutzer ohne Zugriff auf E-Mails, Kalenderinformationen und andere
persönliche Daten. Dann hat Microsoft zugegeben, dass alle in der Cloud gespeicherten
Daten verloren gegangen sind. Und sich nicht wiederherstellen ließen. Offensichtlich
hatten die Leute bei Redmond vergessen Backups zu erstellen.
Es mag sein, dass sich die Technik in der Zwischenzeit verbessert hat, aber die Lehre
daraus bleibt bestehen: Wenn es um wichtige Daten geht, sollten Sie sich niemals auf
andere verlassen. Nehmen Sie nicht an, dass jemand anderes diese für Sie automatisch
beschützt.
Google Mail
Von allen Cloud-Services dürfte Google Mail der bekannteste sein. Ersetzen Sie Ihre
wartungsaufwändigen Exchange-Server durch einen günstigen, verlässlichen E-Mail-Service,
der von Postini gesichert wird. Was gibt es daran nicht zu mögen?
Die Antwort: Bei einem Ausfall 2011 waren 150.000 Google Mail-Kunden betroffen. Als
diese sich bei ihrem Benutzerkonto angemeldet haben, haben sie nur leere Seiten vorgefunden.
Keine E-Mails, Ordner, nichts persönliches war mehr vorhanden. Wir müssen zu Gunsten
von Google erwähnen, dass sie regelmäßige Aktualisierungen geliefert haben und versprochen
hatten das Problem schnell zu lösen. Aber die Reparaturen dauerten bei manchen betroffenen
Nutzern bis zu vier Tage lang.
“Wie konnte das passieren, wir hatten doch mehrere Kopien von Ihren Daten, in unterschiedlichen
Datenzentren gespeichert?” Das hat sich Googles Vize-Präsident für Engineering Ben
Treynor in einem Blog zu der Zeit gefragt. “Unter manchen seltenen Umständen können
Softwarefehler mehrere Kopien der Daten betreffen. Genau dies ist in dem Fall geschehen.”
Letztendlich musste Google physikalische Sicherungen verwenden, um die Daten wiederherzustellen.
Zu guter Letzt hat das mehrstufige Datensicherungssystem funktioniert, aber dennoch
waren tausende von Nutzern tagelang ohne ihre E-Mails.
Denken Sie also jetzt an Sicherheitskopien und Offline-Zugriffsmöglichkeiten . Denn
wenn Sie diese brauchen könnte es bereits zu spät sein.
“Wenn Sie den Durchschnitt betrachten, dann ist es wahrscheinlicher, dass die Daten
in der Cloud wiederherstellt werden, als wenn der Vorfall bei einer Einzelperson passiert
wäre”, sagt Ken Godskind von AlertSite. “Es ist nur so, das Fehlschläge im Web wesentlich
größere Auswirkungen haben. Es sind automatisch wesentlich mehr Menschen betroffen.”
Hotmail, Intuit und Microsoft BPOS
Hotmail
Auch Microsoft hat nicht immer die beste Werbung für die Cloud gemacht. Das mussten
die Benutzer vonMicrosofts Hotmail-Service erfahren. Zehntausende von Kunden hatten
Ende 2010 nur noch leere Posteingänge aufgrund von Datenbanken-Fehlern.
Der Fehler kam laut Microsoft von einem Script, das eigentlich Test-Benutzerkonten,
die für automatische Tests erstellt wurden, löschen sollte. Das Skript hat jedoch
fälschlicherweise stattdessen 17.000 echte Benutzerkonten getroffen.
Es dauerte drei Tage, bis Microsoft seinen Dienst für die meisten der Betroffenen
Nutzer wiederherstellen konnte. Es gab jedoch immer noch acht Prozent von Betroffenen,
die weitere drei Tage warten mussten, bis deren Daten wieder zugänglich waren.
Intuit
Bei Inuit kam es aufgrund eines unfertigen Patches gleich zwei Mal innerhalb eines
Monats zum Ausfall der Cloud-Services. Davon waren bekannte Plattformen wie TurboTax,
Quicken und QuickBooks betroffen. Der schlimmste Vorfall war ein 36-stündiger Ausfall
im Juni. Ein Stromausfall führte dazu, dass alles drunter und drüber ging. Das primäre
System des Unternehmens fiel aus und auch die Backup-Systeme waren vollständig vom
Netz getrennt. Ein paar Wochen später traf ein weiterer Stromausfall Intuit.”Die Wahrheit
ist, dass es bessere Lösungen gibt als eine einzelne Cloud, wenn Sie absolute Verlässlichkeit
benötigen”, sagt Chris Whitener, der Chef-Stratege des Secure Advantage Programms
bei HP. “Es ist nicht notwendig, dass Sie von allem Kopien besitzen, aber von den
wichtigen Dateien sollten Sie Sicherungen anfertigen. Dies kann Ihnen viel Ärger ersparen.”
Microsoft BPOS
Es ist schwierig produktiv zu sein, wenn Ihr Cloud-basiertes Office-Paket nicht erreichbar
ist. Genau das ist vor ein paar Wochen Unternehmen passiert, die sich auf Microsofts
Business-Cloud-Service verlassen haben: Der Service, der Microsoft Business Productivity
Online Standard (BPOS) Suite genannt wurde, geriet um den 10. Mai 2011 ins stottern.
Als Folge dessen kamen E-Mails bei den zahlenden Kunden mit bis zu neun Stunden Verspätung
an.
Zwei Tage später, gerade als es so aussah, als hätte sich BPOS wieder gefangen, kam
es erneut zu Verzögerungen. Desweiteren waren nun auch die von Kunden versandten E-Mails
von dem Problem betroffen. Als wenn das nicht genug wäre, kam noch ein separates Problem
hinzu, das verhinderte, dass sich die Nutzer in das webbasierte Outlook einloggen
konnten.
“Ich möchte mich bei Ihnen, unseren Kunden und Partnern, für die Unannehmlichkeiten,
die diese Probleme bereitet haben, entschuldigen”, hat Dave Thompson, der Vize-Präsident
bei Microsoft Online Services in einem Blog geschrieben.
Salesforce und Terremark
Salesforce
Das Datenzentrum von Salesforce.com war im Januar 2011 nicht erreichbar. Das Jahr
war gerade vier Tage jung, als Salesforce.com vom Versagen auf ganzer Linie berichtete.
Die Services und Backups waren hinüber. “In Wirklichkeit gehen auch Cloud-basierte
Datenzentren kaputt”, sagt Tin Crawford, der Leiter der Technologieabteilung bei All
Covered, einer Abteilung von Konica Minolta. “Das war schon immer der Fall und das
wird auch immer der Fall bleiben. Wir müssen das Ganze realistisch betrachten”
Crawford sagt, dass erfolgreiche Cloud-IT eine andere Herangehensweise benötigt als
eine traditionellen Server-Archtitektur: Es liegt an Ihnen, meint er, zu entscheiden,
ob Ihre Unternehmens eine kurzzeitige Nicht-Erreichbarkeit der Daten verkraftet. Falls
dies nicht der Fall sein sollte, sollten Sie sicherstellen, dass Ihre Konfiguration
so gewählt wurde, dass dieser Fall nicht eintritt.
“Sie sollten prüfen, ob der Cloud-Provider in der Lage ist eine höhere Redundanz zu
bieten, als Sie und Ihr Unternehmen allein dazu in der Lage wären”, sagt Crawford.
“Wenn die Antwort nein lautet, warum nutzen Sie dieses Unternehmen dann?”
Terremark
Das Glück wandte sich von Terremark am 17. März 2010 ab. Der Cloud-Dienst namens vCloud
Express stürzte an diesem Tag ab, zusammen mit einem in Miami ansässigen Datenzentrum.
Beide waren für etwa sieben Stunden nicht erreichbar. Die Nutzer konnten die ganze
Zeit über nicht auf die dort gespeicherten Daten zugreifen.
Auch hier wird die Notwendigkeit von Redundanz deutlich. Wenn Sie Ihre wichtigen Daten
auf mehreren Servern in unterschiedlichen Datenzentren, oder noch besser in unterschiedlichen
Regionen, gespeichert haben, sind Sie gut beraten worden. Sie können sogar noch eine
weitere Sicherheitsvorkehrung treffen und die Daten bei mehreren Anbietern sichern.
“Sie können eine Vielzahl von Providern aussuchen, um Ihre Arbeit zu sichern. Einen
oder zwei als Sicherung und einen als Primär-Anbieter”, schlägt Harold Moss, der Leiter
der Technologieabteilung des IBMs Cloud Security Strategy Programms. “Sie können dann
Ihre Arbeit bei den Unternehmen sichern und sich auf andere Dinge konzentrieren.”
PayPal und Rackspace
PayPal
Sie wollen ein Beispiel für einen Ausfall mit wirklich weitreichenden Folgen? Dann
probieren Sie doch PayPal für ein paar Stunden offline aus.
Das ist keine hypothetische Übung: PayPal ist wirklich im Sommer 2009 ausgefallen
und hat Millionen von Händlern in der ganzen Welt im Stich gelassen. Sie hatten keine
Möglichkeit, Waren zu verkaufen. Der Service war für etwa eine Stunde überhaupt nicht
zugänglich und blieb für mehrere Stunden fehleranfällig. PayPal behauptet, dass dies
an der Hardware gelegen habe.
Rackspace
Rackspace erlitt im Mal 2009 vier gravierende Ausfälle. Deshalb waren die Webseiten
der Kunden insgesamt mehrere Stunden lang nicht erreichbar. Einer der Ausfälle war
so schlimm, dass Rackspace etwa 2 Millionen Euro Schadensersatz an seine Kunden zahlen
musste.
Rackspace hat die Ausfälle als “schmerzhaft und sehr enttäuschend” beschrieben und
hat anschließend versprochen “für lange Zeit auf einem hohen Niveau zu arbeiten”.
“Wenn Sie geografische Redundanz haben wollen, ist es heutzutage einfacher, als es
früher der Fall war. Aber dennoch müssen Sie die notwendigen Schritte dafür einleiten”,
sagt Lew Moorman von Rackspace. “Die Cloud hat keine Schwächen, die nicht schon zuvor
bei den unternehmenseigenen Servern vorhanden waren.”
Wenn Sie all dies berücksichtigen, dann ist die wohlmöglich größte Lektion, die Sie
hier gelernt haben können, dass ein einziger Service, Datenzentrum oder Server, keine
100 Prozentige Verlässlichkeit bieten kann. Auch wenn Sie Ihre Daten in der Cloud
speichern, sollten Sie auf dem Boden der Tatsachen bleiben und immer an einen Ausfall
denken. (PC-Welt) 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen